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Aufzucht und Erziehung„Beim Erwerb eines neun Wochen alten Welpen kann kein Züchter für die spätere Entwicklung irgendwelche Zusagen machen, da die weitere Aufzucht sich allein in den Händen des Käufers befindet und dieser allein verantwortlich ist." Dieser Satz wurde 1959 in der IX. Auflage der Broschüre „Der St. Bernhardshund", herausgegeben vom St.Bernhards-Club, geschrieben. Er besitzt heute wie damals volle Gültigkeit. Daß die Entwicklung eines Hundes mit der Fütterung, der Pflege, aber auch der Erziehung steht und fällt, ist eine wohl unbestrittene Tatsache. Die Erfahrung hat gezeigt, daß Welpen oder Junghunde, die die besten Anlagen mitbrachten, durch falsche Fütterung, schlechte Unterbringung, rohe und falsche Behandlung und Erziehung nicht das wurden, was man von ihnen erwarten durfte. Andererseits gilt ebenso: „Was der Züchter in den ersten acht bis neun Monaten versäumt, kann der neue Besitzer niemals nachholen." Die ersten Erziehungsversuche sollten schon beim Züchter durchgeführt werden, beginnend im Alter von sechs Wochen. Wirkt der Bernhardiner ausgewachsen noch so kräftig und robust, so verfügt er doch über ein sehr feines Empfinden und will jederzeit mit viel Liebe behandelt werden. Wie und wann kommt der Welpe in sein neues Heim?Der große Tag rückt immer näher, an dem das Wollknäuel, das einmal ein ausgewachsener Bernhardiner werden soll, zu Ihnen ins Haus kommen wird. Sie haben schon alles bereit? Die Hundehütte und Zwinger sind gebaut und warten auf ihren Bewohner! Frisches Stroh liegt als Einstreu bereit! Ein Eimer für das tägliche Frischwasser ist so befestigt, daß Ihr Welpe einerseits bequem trinken, andererseits ihn nicht aus Übermut durch die Gegend wirbeln kann! Das gleiche haben Sie mit dem Freßnapf gemacht! Wenn Sie es ganz gut machen wollen, befestigen Sie den Freßnapf so, daß er mit dem Welpen wachsen kann, das heißt, daß er in der Höhe verstellbar ist. Mit dem Züchter haben Sie einen Termin für das Abholen des Welpen vereinbart?! Sicher wird dies am Wochenende geschehen. Doch wann? Am besten eignet sich der Samstagmorgen; gleich, welch lange Strecke Sie fahren müssen, richten Sie es so ein, daß Sie so früh wieder zu Hause eintreffen, daß der Kleine sich noch im Hellen seine neue Heimat anschauen kann. Oft wird aus dem Eintreffen des kleinen Hundes ein Familienfest. Im Interesse Ihres Hundes sollten Sie die ersten ein bis zwei Tage so wenig wie möglich Fremde an den Hund heranlassen. Holen Sie Ihren Hund samstags ab, können Sie sich auch sonntags noch intensiv mit ihm beschäftigen, ehe der Alltagstrott wieder anfängt. Es ist für Sie sicher selbstverständlich, daß Sie auf der Fahrt vom Züchter nach Hause die schnellste Strecke nehmen. Aber auch dann vergessen Sie bitte nicht die Aufregung und Unruhe, die dem Kleinen durch die Fahrt mit dem Auto bereitet wird. Machen Sie spätestens alle zwei Stunden eine Pause, in der Sie den Kleinen sein Geschäft machen lassen. Hierzu brauchen Sie notwendigerweise Leine und Halsband. Denken Sie hieran schon vor der Fahrt zum Züchter, denn die wenigsten Züchter geben ihre Hunde mit Leine und Halsband ab. Kaufen Sie eins, das zu seiner Größe paßt. Denken Sie nicht, er wird schon hineinwachsen, denn schneller, als Sie dies glauben, ist er aus einem zu weiten Halsband entwischt. Vor der Benutzung eines Stachelhalsbandes möchte ich ganz eindringlich warnen. Jegliche Erziehung sollte nicht von Schmerzen begleitet sein. Das Stachelhalsband aber bereitet Schmerzen, wenn es sich an der strammen Leine zuzieht. Leider gibt es immer noch Menschen ‑ auch auf Ausstellungen zu sehen ‑, die glauben, nur so Erziehung und Gehorsam demonstrieren zu können. Die Leine ist nötig, um den jungen Hund unter Kontrolle halten zu können. Nicht alle Welpen sind Autofahrern gewöhnt, manche müssen sich erbrechen. Nehmen Sie Tücher zum Aufwischen mit. Am besten fahren Sie mit Begleitung, die sich während der Fahrt mit dem Welpen beschäftigen kann. Es gibt natürlich noch andere Möglichkeiten, Ihren Hund in sein neues Heim zu holen. Eine dieser Möglichkeiten bietet die Eisenbahn. Da Hunde immer noch als SACHE angesehen werden, können sie in Transportkisten verpackt als Expressgut verschickt werden. Doch überlegen Sie, was Sie damit dem Welpen zumuten:
Sollten Sie dies Ihrem Hund zumuten wollen, dann verbannen Sie Ihren Wunsch nach einem Hund -gleich welcher Rasse - schnellstens, ehe Sie als traurige Wahrheit erkennen müssen: Ja, ich habe einen Hund erhalten, aber unter Umständen einen, der an Leib und Seele bleibende schwerwiegende Schäden erlitten hat. Die Zeit der EingewöhnungSobald Sie mit Ihrem Hund das Heim erreicht haben, setzen Sie ihn in der Ecke des Gartens ab, die Sie als seinen Kotplatz ausgewählt haben. Wie bereits gesagt, sollte dieser möglichst weit von seinem Ruheplatz entfernt sein. Bleiben Sie in den nächsten Tagen und Wochen konsequent. Führen Sie ihn regelmäßig nach dem Fressen und Schlafen an diesen Platz, dann wird er sehr schnell lernen, sein Geschäft nur noch dort zu verrichten. Soll der Welpe viel im Haus gehalten werden, so werden sich bestimmt das eine oder andere Mal in dieser Beziehung „Unfälle" ereignen. Strafen in irgendeiner Form hat keinen Zweck; führen Sie ihn am besten gleich zu seinem Kotplatz und bringen ihn dann zu seiner Schlafstätte zurück.Hat er sein erstes Geschäft im neuen Heim hinter sich gebracht, lassen Sie ihm innerhalb des Grundstückes freien Lauf, damit er alles und jeden „erschnüffeln" kann. So bekommt er am ehesten Kontakt zu seiner neuen Heimat. Dann führen Sie ihn zu seinem Schlafplatz. Reden Sie ihm beruhigend zu, geben Sie ihm die Decke, auf der er während der Fahrt gelegen hat, deren Gerüche er schon kennt. Sie sollen ihm in der neuen Umgebung helfen, sich einzugewöhnen. Obwohl Sie sich am ersten Tag viel mit ihm beschäftigt haben und er zunächst auch eingeschlafen ist, kann es sein, daß er in der ersten vielleicht auch noch in der zweiten und dritten Nacht unruhig ist, umherirrt und jammert. Wenn Sie es nicht verstehen, ihn an das Alleinsein zu gewöhnen, werden sie immer Schwierigkeiten haben.Hält das Wimmern an, gehen sie nach einer gewissen Zeit zu ihm hin und beruhigen ihn mit leisen Worten. Schimpfen würde seine Angst nur vergrößern. Notfalls müssen sie mehrmals aus den Federn. Eine tickende Uhr mit einer Wärmeflasche in eine Decke verpackt, sollen den Herzschlag und die Wärme der Mutter vorgaukeln und den Welpen so in den Schlaf wiegen. Rappeln darf der Wecker nachts natürlich nicht! Erlauben Sie dem Kleinen jetzt, in Ihr Bett zu kommen, müssen Sie wissen, daß ihn später, wenn ihm das „Ins-BettSpringen" aus begreiflichen Gründen untersagt werden muß, der Kummer über das Verbot ungleich schwerer packen würde. In den ersten Tagen erscheint es sinnvoll, die Fütterungszeiten und das Futter des Züchters zu übernehmen. Lassen Sie nicht jeden Ihren kleinen Welpen hochheben. Verweisen Sie Ihre Bekannten, Verwandten und Kinder darauf, daß bei einem jungen Hund alle Sehnen, Bänder und Knochen von Natur aus noch weich sind. Leiten Sie hieraus die Verbote ab:
Wenn Sie den Hund richtig hochheben wollen oder müssen, verfahren Sie folgendermaßen: Schieben Sie eine Hand unter den Po und heben ihn dann empor, während die andere Hand ihn unter der Brust im Gleichgewicht hält. Aber auch hier setzt das Gewicht des Hundes schnell eine natürliche Grenze. Steinguttöpfe und Keramikgefäße sind wegen erhöhter Verletzungsgefahr bei Bruch nicht zu empfehlen, sehr dagegen Gefäße aus Stahl, die sich leicht reinigen lassen und nicht wie Plastikgefäße zerknabbert werden. Damit der Welpe seinen Freßnapf nicht ständig umwirft oder herumschleppt, bietet der einschlägige Hundebedarfsartikelhandel verschiedene Varianten fertiger Gestelle und Schüsseln an, die in der Höhe verstellbar sind. Um eine aufrechtere Kopf- und Nackenhaltung zu erzielen, richten wir diese Futternapfstelle ebenfalls ein. Sie sollten nicht versäumen, daß Ihr Hund stets pünktlich zu selben Zeit gefüttert wird. Läßt er einen Rest im Napf, nehmen Sie den Napf nach einer halben Stunde weg, sowohl aus erzieherischen als auch aus hygienischen Gründen. Die wenigsten Hunde bleiben gern im Regen, noch weniger fressen sie gern im Nassen. Deshalb die Bitte: Befestigen Sie Futterund Wassernapf so, daß der Hund im Trockenen an sein Futter gelangen kann. Probleme bei der AufzuchtEs hieße die Augen verschließen, glaubten wir, bei unseren Bernhardinern gäbe es keine Aufzuchtprobleme. Diese ergeben sich dann um so mehr, wenn neue Bernhardinerliebhaber entweder von den Züchtern nicht genügend aufgeklärt werden oder glauben, alle gutgemeinten Ratschläge in den Wind schlagen zu können. Die meisten Aufzuchtprobleme resultieren aus einer falschen Fütterung. Man hört immer wieder den Rat „ein junger Hund soll soviel fressen, wie er will. Er kann sich nicht überfressen". Das stimmt nur in der Hinsicht, daß er nicht wegen Überfressens plötzlich am Freßnapf tot umfällt. Unkontrolliertes Füttern führt aber zur Fettleibigkeit. Diese wiederum belastet Herz und Kreislauf enorm. Die Folge ist ein Hund, der sich müde dahinbewegt, der im Sommer bei Hitze größte Schwierigkeiten zu bewältigen hat und dessen Lebenserwartung kürzer ist als die seiner vernünftig ernährten Artgenossen. Unsere Rasse neigt leider dazu, ein ordentliches Gangwerk, vor allem der Hinterbeine, zu verlieren. Je größer und mächtiger unsere Bernhardiner werden, um so deutlicher ist die schwache Hinterhand zu beobachten. Auch hier muß die Regel gelten: "Friss mäßig, aber regelmäßig!" Wenden Sie sich bei allen auftretenden Schwierigkeiten an den Züchter Ihres Hundes. Besuch beim TierarztGehen Sie innerhalb der ersten Woche, in der Sie den Welpen erhalten haben, zu einem Tierarzt. Versuchen Sie jemanden zu finden, der schon Erfahrung in der Behandlung von Bernhardinern hat, dann können Sie sich manche Aufregung, aber auch manche D‑Mark sparen. Bei diesem ersten Besuch wollen Sie den Welpen nur vorstellen und sich einen Überblick über den allgemeinen Gesundheitszustand verschaffen. Geben Sie dem Welpen mindestens zwölf Stunden vor dem Besuch nichts zu fressen und mindestens zwei Stunden vorher nichts zu trinken. Sie vermeiden dann eine unnötige Beschmutzung des Warte- oder Behandlungsraumes. Ganz vorsichtige Käufer lassen in den Kaufvertrag eine Klausel einsetzen, nach der sie den gekauften Hund gegen einen neuen umtauschen oder gegen die Kaufsumme zurückgeben können, wenn der Tierarzt schwerwiegende Mängel beziehungsweise Krankheiten festgestellt hat. Ihr Tierarzt wird Ihnen bei diesem ersten Besuch auch den genauen Termin für die zweite Grundimmunisierung geben. Diesen Termin sollten Sie unbedingt wahrnehmen, wollen Sie nicht Gefahr laufen, daß Ihr Hund sich irgendwo infiziert. Wann Sie eine Entwurmung vornehmen sollten, wird er Ihnen ebenfalls sagen.
Das NagealterIm Alter von zehn Wochen beginnt der Kleine zu begreifen, wo man seine spitzen Milchzähnchen überall mit Erfolg einsetzen kann. Er scheint von einem kaum zu stillenden Drang befallen zu sein, alles, aber auch alles anzunagen. In dieser Phase des Wachstums müssen Sie, im Interesse Ihres Besitzes, aber auch der Gesundheit Ihres Hundes, ein wachsames Auge auf den Kleinen haben, ihn möglichst viel beschäftigen und von den absoluten „Tabus" fernhalten. Wenn Sie ihn in diesem Alter stundenlang unbeaufsichtigt sich selbst überlassen, tragen Sie und nicht Ihr Hund Schuld an dem angerichteten Schaden. Achten Sie besonders auf zwei Dinge: Lassen Sie keine stromführenden Kabel liegen, wo der Kleine sich aufhalten darf. Nur allzu sehr verleitet dieses „Spielzeug" zum Ziehen und Reinbeißen und nur allzu schnell ist der Schutzmantel des Kabels durchgebissen und Ihr Hund hat sein eben erst begonnenes Leben beendet. Achten Sie ebenfalls darauf, daß er kein Glas erreichen kann, Schnittverletzungen an den Ballen oder gar dazwischen heilen langsam und neigen schnell dazu, sich zu entzünden. Also Vorsicht vor Strom und Glas! Mit einem energischen „Pfui! Aus!" muß er bestraft werden, dann sollte das Corpus delicti entfernt und der Welpe animiert werden, an den Gegenständen zu nagen, die dafür angeschafft worden sind, beispielsweise an einem Hundekauknochen, an einem alten Brotkanten oder an einem großen Kalbsknochen, der außerdem noch gute Dienste für die richtige Zahnbildung leistet. GehorsamDer Bernhardiner, der nicht folgt, wenn man ihn ruft, kann niemals eine reine Freude sein, weil man ja ständig mit der Sorge leben muß, er könne überfahren werden, sonst wie in eine Gefahr hineinlaufen oder andere Leute belästigen. Nachdem Ihr Hund sich an das Halsband gewöhnt und auch gelernt hat, ordentlich an der Leine zu gehen, kann man beginnen, die Befehle „Komm", „Lauf", „Sitz" und „Platz" einzuüben. Den Befehl „Komm" wird er auf heimischem Gelände sehr schnell befolgen, ist er doch sehr oft mit dem Fressen oder dem Angebot an Leckereien verbunden. Schwieriger wird es außerhalb der gewohnten Umgebung. Kommt er sofort, gibt es eine Belohnung, zum Beispiel in Form von Hundekuchen. Reagiert er nicht, ziehen Sie ihn an der Leine zu sich heran. Die Belohnung entfällt. Es darf aber auch kein Schimpfen folgen, lediglich ein flüchtiges Streicheln. Wahrscheinlich lernt er diese Übung sehr schnell. Ärger gibt es nur, wenn man ihn von der Leine läßt. Hier kann man sich mit folgendem Trick behelfen: Befestigen sie möglichst unauffällig am Halsband zusätzlich zur gewohnten Leine eine lange kräftige Schnur, die einen ordentlichen Ruck aushalten kann. Üben Sie an der Leine. Dann lassen Sie die Leine los und wahrscheinlich wird der Kleine sich davonmachen wollen. Warten Sie, bis er die Schnur fast abgerollt hat, rufen Sie Ihr „Komm" und kommt er, hat er die Prüfung bestanden, kommt er nicht, ziehen Sie ihn mit einem energischen Ruck von den Beinen. Dann folgt weder Belohnung noch überschwengliches Lob, lediglich ein flüchtiges Streicheln. Diese Übung müssen Sie oft durchführen, bis Sie sicher sind, daß er in jedem Fall kommt. Erst dann können Sie daran denken, Ihren Hund frei laufen zu lassen. Beherrscht er die „Komm-Übung", kann man dazu übergehen, das „Sitz" einzuüben. Hierzu kann man ihn mit einer Hand am Halsband halten und mit der anderen sein Hinterteil herunterdrücken, unmittelbar nachdem das „Sitz" erschallt. Damit er dieser wichtigen Übung nicht zu schnell überdrüssig wird, sollte man es nicht allzu oft am Tag üben. Die „Sitz-Übung" gehört in die Reihe der Unterordnungsübungen, zu deren Erlernen es mannigfaltige Ratschläge in vielen Büchern gibt. Immer wieder sollte man dem Junghund das ihm bestimmt unangenehme Stillsitzenmüssen durch vermehrtes Lob wie „Bist ein braver Hund! Brav!" versüßen. Die Modulationsfähigkeit der menschlichen Stimme kann bewusst genutzt werden. Alle Befehle müssen kurz sein und in scharfem Ton gegeben werden. Dagegen sollen alle Lobesworte einschmeichelnd leise klingen. Wie schnell Ihr Hund Gehorsam lernt, hängt ganz wesentlich von Ihnen ab. Haben Sie Geduld, viel Geduld! Aber seien Sie konsequent, wenn es darum geht, Ihren Willen und Befehl dem Hund aufzuzwingen. Jemand, dessen Hund erst auf den dritten oder vierten Anruf folgt, muß bei sich selbst den Fehler suchen, denn der Hund hat ja den Befehl verstanden, wie seine Reaktion zeigt, da er schließlich kommt.. Betteln bei TischDieser Abschnitt ist in erster Linie für die geschrieben, die ihren Liebling vorzugsweise im Hause halten wollen. Junghunde scheinen immer Hunger zu haben. Auch wenn sie eben erst gefressen haben, zieht sie der Duft ihres Essens magisch an. Meist von selbst zelebrieren sie die „Sitz-Übung" und schauen, den Kopf leicht schief gestellt, ob nicht für sie etwas abfällt. Dabei läuft ihnen das Wasser im Maul buchstäblich zusammen und an den geöffneten tiefhängenden Unterlefzen herunter auf den Boden. Hieraus sollte jeder den Schluß ziehen: Der Hund gehört beim Essen weder in die Küche noch ins Esszimmer. Er wird größer und vermag bald über den Tisch zu blicken. Als nächstes wird er seinen Kopf, aus dem es tropft, wie selbstverständlich auf das Tischtuch, vielleicht auch in den nächsterreichbaren Teller legen. Nicht alle Gäste finden das so niedlich wie Sie! Das leidige AnspringenIhr Bernhardiner ist zwischenzeitlich gewachsen, wiegt mit seinen 16 Monaten gut und gern 60 kg und kommt urplötzlich auf Sie zugeflogen, um an Ihnen, wie er es gewohnt ist, hochzuspringen und seiner Begrüßungsfreude Ausdruck zu geben. Da müssen Sie schon standhaft sein, um nicht umzufallen. Aufgerichtet kann er Ihnen nun bequem mit seiner Zunge das Gesicht ablecken. Bei entsprechender Kleidung und gutem Wetter macht Ihnen diese Begrüßung Spaß, zeigt sie doch die Zuneigung Ihres Hundes zu Ihnen. Und bei schlechtem Wetter? Oder gar bei anderen Leuten? Sie werden sicherlich mit mir übereinstimmen, daß das Anspringen unterbunden werden muß. Beim Junghund ist dies noch relativ leicht zu erreichen. Jedes Mal, wenn er hochsteigen will, drücken Sie ihn sanft, aber bestimmt auf die Hinterbeine nieder. Dem ruhig ausgesprochenen „Sitz" muß ein Loben und Streicheln folgen. Bleiben Sie konsequent. Haben Sie in der Jugend versäumt, dies anzuerziehen, muß das nicht bedeuten, daß der ausgewachsene Bernhardiner es nicht mehr lernen kann. Nur müssen Sie schon ein wenig härter zupacken, damit er merkt, was Sie von ihm wollen. Sie haben die Möglichkeit, ihn am Halsband oder im Nackenfell zu packen und ihn mit einem scharfen „Pfui! Aus!" herunterzuziehen. Oder treten Sie ihm leicht auf die Hinterpfoten, wenn er aufgerichtet steht. Drehen Sie sich zur Seite, wenn sie sehen, daß er zum Sprung ansetzt. Aber machen Sie Ernst, lassen Sie ihn das nicht als Spiel auffassen. Es nützt auch, ihn gegen das schnell hochgezogene und angewinkelte Knie springen zu lassen. Nur müssen Sie standfest sein, sonst ist er über Ihnen, und für ihn geht dann das Spiel erst richtig los. Sobald Sie auf dem Boden liegen, ist er der mächtigere. Ohne blaue Flecken und stark verschmutzte Kleidung geht dieses Spiel kaum zu Ende. Natürlich kann auch einem erwachsenen Bernhardiner noch Gehorsam beigebracht werden, doch gehört hierzu ungleich mehr Einfühlungsvermögen und Geduld als bei der Arbeit mit einem jungen Hund. Zunächst müssen Sie das absolute Vertrauen Ihres Hundes erringen. Ihr Hund muß Sie akzeptieren, Sie als „Rudelführer" anerkennen. Dann erst dürfen Sie dazu übergehen, ihn zu erziehen.
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