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Der Bernhardiner in der EtagenwohnungEs gibt einen Richtsatz, der lautet: „Je größer der Hund, desto weniger ist er geeignet, in einer Etagenwohnung gehalten zu werden." Nun darf man nicht alle Etagenwohnungen über einen Kamm scheren und durchweg ablehnen. Die auf der ersten Etage gelegene Wohnung eines Zweifamilienhauses mit großem Balkon ist anders zu bewerten als die im achten Stockwerk eines Hochhauses ohne Balkon, die zudem normalerweise nur mit Aufzug zu erreichen ist. Entscheidend ist in jedem Falle nicht so sehr die Größe der Gesamtwohnung, sondern die Größe und Beschaffenheit des dem Hunde zugeteilten Raumes, in dem er für sich sein kann, der sein engstes Revier ist. Der Bernhardiner ist zwar, was sein Bewegungsbedürfnis angeht, nicht mit dem quirligen Setter oder auch Schäferhund zu vergleichen, doch täglicher Auslauf muss auch ihm geboten werden, schon allein um seine Verdauung zu regulieren und um auf einem Spaziergang alle für einen Hund so wichtigen Gerüche des nächsten Laternenpfahles oder einer bestimmten Stelle der nachbarlichen Hauswand aufnehmen zu können. Hier könnten in einer Stadtwohnung aber schon die ersten Schwierigkeiten auftreten. Viele Stadtverwaltungen machen es dem Hundehalter zur Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass Kot auf Bürgersteigen, Straßen, Spielplätzen, aber auch aus Vorgärten unverzüglich durch den Hundehalter zu entfernen ist. Empfindliche Geldbußen können bei Nichteinhaltung die Folge sein. Verantwortungsbewussten Haltern ist diese Beseitigung des Hundekotes eine Selbstverständlichkeit. Doch zurück zu dem Problem, einen Bernhardiner in einer Etagenwohnung halten zu wollen. Denken Sie daran, den Hund als Welpen zu sich zu nehmen, so muß eindringlich vor den Gefahren ständigen Treppensteigens gewarnt werden. Das Hinaufsteigen ist dabei nicht so gefährlich wie das Hinabsteigen, bei dem das ganze Körpergewicht auf den noch schwachen, unfertigen Vorderbeinen ruht. Sehr oft ist das Treppensteigen die Ursache für Zerrungen der Bänder und Muskeln der Vorderläufe, aber auch für mögliche Deformierungen oder Brüche der Knochen an den Vorderläufen. Mancher von Ihnen wird jetzt sagen: „Dann tragen wir ihn eben." Das wird zweifellos eine Weile durchgeführt, doch der Welpe wird immer schwerer, bald so schwer, daß zumindest Ehefrau oder Kinder überfordert sind, sollten sie den Hund mehrere Treppen hinauf- bzw. hinuntertragen müssen. Der vom Charakter her sehr ruhige und meist bedächtige Bernhardiner vermag sich ebenso überschwänglich zu freuen, wenn die Familienangehörigen von ihrer täglichen Arbeit nach Hause kommen, wie andere Rassen, nur ist seine Stimme selbst schon im Jugendalter tief und mächtig. Nicht allen Nachbarn gefällt es, wenn der Hund sich über die Heimkehr, seiner Rudelgenossen lauthals freut, oder wenn er jeden Fremden, der sich im Korridor aufhält, meldet. So mancher Züchter musste die traurige Erfahrung machen, daß nach mehreren Monaten der Hund wieder zurückgegeben wurde. Erkundigen Sie sich in jedem Fall beim Vermieter, ob eine Hundehaltung in den von Ihnen gemieteten Räumen gestattet ist. Die Genehmigung lassen Sie sich immer schriftlich geben, sofern nicht schon der Mietvertrag diesbezüglich eindeutig Auskunft gibt Der Bernhardiner in Haus und GartenUngleich günstiger trifft es der Welpe, der nun ein neues Zuhause findet, das neben einer Parterrewohnung oder einem Haus einen Garten aufweisen kann. Hier bekommt der Welpe einmal die Möglichkeit, in engem Kontakt mit den menschlichen Rudelgenossen zu leben; zum anderen kann er bei Bedarf im Freien seinem Bewegungsdrang nachgeben, was nicht bedeuten soll, daß ein Garten einen Ersatz für die täglichen Spaziergänge darstellt. Da die Züchter ihre Zuchttiere samt Nachwuchs in der Regel in Zwingern halten, nicht aber im Haus oder gar (nur) in Wohnungen, ist gerade dem Junghundalter entwachsenen Hund die Umstellung auf die neue Heimat zu erleichtern, indem er tagtäglich Gelegenheit hat, einen Schutzraum im Freien aufzusuchen. Für unsere langhaarigen Hunde bedeutet die Zimmertemperatur, die wir als wohlig empfinden, meist schon zuviel des Guten. Sie suchen kühlere Plätze auf. Im Garten ist dies zweifellos einfacher als in der Wohnung. Wenn der ausgewachsene Bernhardiner auch in der Regel ruhig, ja man möchte sagen gemütlich, ist und er keine stundenlangen „Märsche" z. B. am Fahrrad braucht, so benötigt doch der junge Hund in seiner gesamten, etwa zweijährigen Entwicklungszeit wesentlich mehr Bewegung. Im Garten findet er Platz, um seinem Taten‑ und Forschungsdrang freien Lauf lassen zu können. Hier teilt er sich seine Ruhe‑ und Betätigungsphase selbst ein. Im freien Spiel wird er sich nie derart überfordern, daß gesundheitliche Schäden zu befürchten sind, was wiederum bei übermäßig langen und auf für ihn schwierigen Böden erfolgenden Spaziergängen der Fall sein könnte. Ein Problem stellt sich allerdings sehr schnell ein: Wenn Sie Ihrem Hund nicht ganz konsequent beibringen, daß zum Harnlassen und Kotsetzen nur die von Ihnen bereitgestellte Ecke benutzt werden darf, bietet Ihr Garten bald ein Bild der Verwahrlosung. Braune Flecken auf dem Rasen, abgefressene Blumen und Sträucher geben Zeugnis von einem Hund, der einen Garten besitzt, nicht aber von einem wohlerzogenen Hund, der den gemeinsamen Garten mitbenutzen darf. So wie Sie selbst in heißen Sommermonaten Schatten suchen, so ist es für den Bernhardiner und erst recht für den langhaarigen lebensnotwendig, sich den Sonnenstrahlen zeitweise entziehen und schattige, kühle Plätze aufsuchen zu können. Soll Ihr Hund tagsüber im Garten leben und nur nachts im Haus liegen, so muß im Garten immer frisches Wasser in ausreichender Menge vorhanden sein. In den Sommermonaten kann ein Bernhardiner täglich einen 10-Liter-Eimer leeren. Befestigen Sie den Eimer so, daß er vom Hund nicht umgestoßen werden kann. Daß bei Frost das Wasser öfter erneuert werden sollte, wird hier nur der Vollständigkeit halber vermerkt. Der Bernhardiner im Zwinger oder FreigehegeDiese Form der Bernhardinerhaltung ist wohl am meisten zu finden. Sie darf jedoch nicht so verstanden werden, daß dem Bernhardiner der für seine Wesensentwicklung so wichtige und für seine allgemeine psychische Gesundheit so notwendige Kontakt zur Familie, aber auch zu anderen Menschen und Tieren genommen wird. Zudem sollte jeder Bernhardiner auch die Wohnung seines Herrn betreten dürfen und sich darin auskennen. Ein Zwinger sollte aus einer überdachten, gut gegen Nässe und Feuchtigkeit geschützten Hütte und einem Auslauf bestehen, der gegen die Sonne auch Schatten bieten muß. Mindestanforderungen wurden 1974 in der Bundesrepublik Deutschland sogar durch eine Rechtsverordnung zum Tierschutzgesetz vorgegeben. Die Vorschläge, die Ihnen hier unterbreitet werden, gehen über diese Mindestanforderungen hinaus, bedeuten aber keineswegs, daß sie ein Optimum darstellen. Von dem zur Verfügung stehenden Platz und der Bereitstellung geldlicher, aber auch zeitlicher Mittel hängt zweifellos die Qualität des Zwingers für Ihren Bernhardiner ab. Gut wäre es, wenn er so angelegt werden könnte, daß die Nord‑ und Westseite durch eine Gebäudewand oder sonstige stabile, in jedem Falle zugfreie Rückwände vor Wind und Regen abgeschirmt werden. Sollte dies aus baulichen Gründen nicht möglich sein, kann der Zwinger auch vollständig frei im Garten stehen, natürlich auch hier mit einer Schutzwand versehen. Ganz gleich, wo auf dem Grundstück der Zwinger steht, wichtig ist, daß wir den Hund dort sehen können. Genauso wichtig ist, soll der Bernhardiner vom Zwinger aus Haus und Hof bewachen, daß der Hund den Eingang des Hauses überblicken kann. Über den idealen Bodenbelag des Zwingers gibt es unterschiedliche Meinungen. Vieles hängt auch davon ab, wie oft beziehungsweise wie lange Ihr Hund täglich im Zwinger ist. Weißer Sand (Quarzsand) bringt den Vorteil, daß der Hund meist sauber ist. Hierzu muß aber unter dem Sandboden eine Unterlage geschaffen werden (Beton oder Eternitplatten mit Sickerfugen), damit Ihr Hund besonders im Jugendalter nicht gar den Lehmboden zuoberst buddelt und somit den Quarzsand verschmutzt. Nachteilig bei dieser Methode ist, daß junge Bernhardiner aufgrund ihres großen Gewichtes Spreizzehen bekommen können . Da beim Auftreten der Sand nachgibt, versuchen die Hunde durch Spreizen der Zehen einen festeren Halt zu finden. Gewachsener Grasboden auf lehmigem Untergrund wäre ideal, wenn die Hunde nicht immer dieselben Trampelpfade benutzten ‑ meist an der Begrenzung entlang ‑ und in Nässeperioden den Grasboden somit schnell in eine Schlammwüste verwandeln würden. Bei entsprechend großem Zwinger mag dann noch genügend ordentliche Grasfläche übrigbleiben. Wenn Sie nur Beton- oder Pflasterboden zur Verfügung haben, sollte ein Teil desselben mit einem zusätzlichen Holzboden überdeckt werden. Besonders im Winter ist der Betonboden zu kalt, und Blasen und Nierenerkrankungen sind oft die Folge. Bei Hündinnen ist dieser zu kalte Boden oft die Ursache für Scheiden- und Gebärmutterentzündungen. Natürlich läßt sich ein Beton- und Pflasterboden leichter reinigen als die anderen Böden, jedoch sollte schon bei der Planung die Gesundheit des Hundes in allen Punkten Vorrang vor der bequemeren Pflege haben. Da Betonboden aber auch den Vorteil bringt, daß sich der Hund besser seine Krallen abschleift als auf allen anderen Böden, bestände der ideale Zwinger aus der Addition aller Böden, wobei folgende Reihenfolge empfohlen wird: Unter der Hütte und drumherum sollte Beton- und/oder Pflasterboden sein, dann Grasboden und als Abschluß Sandboden, weil sich in dieser, dem Schlafplatz des Hundes am weitesten entfernten Ecke der Hund immer hinhocken wird, um sich zu lösen. Bernhardiner und Kinder - geht das?Sollten Sie keine Kinder haben, überschlagen Sie diesen Abschnitt nicht einfach. Denn es ist nicht von der Hand zu weisen, daß der Bernhardiner auf Kinder schon eine fast beängstigende Faszination ausübt. Sein Ruf als Kinderfreund und -Beschützer ist berechtigterweise weit verbreitet. Auf Spaziergängen werden Sie immer wieder erleben, wie fremde Kinder sich an Ihren Hund heranmachen, ihn streicheln und herzen wollen. Bei aller Gemütlichkeit braucht das jedoch Ihrem Hund nicht immer zu gefallen. Kein Hund hat es gern, wenn ihm Fremde allzu oft und allzu nahe auf den Pelz rücken. Unterbinden Sie eventuelle unliebsame Situationen dadurch, daß Sie freundlich, aber bestimmt Kinder wie Erwachsene etwas auf Distanz halten. Die Kinder im eigenen Haus werden bald ein Herz und eine Seele mit dem jungen Hund sein. Dieser merkt sich sehr schnell seine Spielkameraden, aber auch diejenigen, die ihm im Spiel weh tun oder ihn ärgern. Kinder bevorzugen es, den kleinen Hund an den Vorderbeinen hochzuheben. Davor kann nicht eindringlich genug gewarnt werden. Das Schultergelenk, das wir Menschen kennen, gibt es beim Hund nicht. Der Vorderlauf ist im Bereich des Schulterblattes mit dem Brustkorb beziehungsweise der Wirbelsäule nur durch Muskeln und Bänder verbunden. Namentlich im Welpen‑, aber auch im Junghundealter kann es durch das erwähnte Hochheben zu schmerzhaften Zerrungen kommen. Es versteht sich von selbst, daß die Rute nicht dazu da ist, daß Kinder sich daran festhalten oder sich gar ziehen lassen. Besprechen Sie diese Dinge mit Ihren Kindern vor dem Kauf. Es gibt unzählig viele Geschichten, aber auch wahre Begebenheiten, die von der Wachsamkeit und Treue des Hundes gerade Kindern gegenüber berichten. Die Bilder dieses Buches sprechen für sich. Einige wenige Ausnahmen, die natürlich von der Presse groß herausgebracht werden, ändern nichts an der Tatsache, daß es für Kinder, gleich welchen Alters, kaum einen gutmütigeren und treueren Kameraden gibt.
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